Auf der Suche nach einer neuen Tasche stieß ich vor einigen Tagen auf Lowepros jüngste Ergänzungen der ProTactic-Linie. Neben zwei Köchern und einem Rucksack wurde mit der MG 160 AW II im Oktober 2020 eine Messenger Bag vorgestellt, die mein Interesse weckte.

Hinweis: Update am Ende.

“One size fits it all” ist ein schöner Gedanke. Ändert sich der eigene Bedarf, muss in der Realität jedoch meist das Equipment angepasst werden. Ich plane, deutlich mehr mit Festbrennweiten und zwei Bodies parallel zu fotografieren. Bei Bedarf ergänzt um mein Notebook. Da ich es nicht mag, zwei Gehäuse am Körper herumbaumeln zu haben, muss eine neue Tragelösung her. Möglichst im kompakten Gewand.

Die inneren Werte

Abb. 1: Notebook und zwei Bodies passen hinein

Vielfach werden Varianten für 13″- und 15″-Notebooks angeboten. Für mich ein Problem, da mir die größeren Versionen in der Regel zu ausladend sind und mein 14″-Gerät nicht in jede 13″-Tasche passt. In diesem Fall füllt mein 14″-Notebook (33,5 cm x 23,5 cm) das dafür vorgesehene Fach vollständig aus. Strammer dürfte es nicht sitzen.

Meine beiden Bodies passen, mit angesetzten Objektiven, problemlos nebeneinander in die Tasche. Für ein Verstauen mit Batteriegriff reicht die Tiefe nicht aus. Aber entgegen der Produktbeschreibung kann ich sogar ein Gehäuse mit angeflanschtem 70-200 unterbringen. Das sehe ich allerdings als absolute Notlösung, da der Body dadurch schon recht weit nach oben reicht.

Zwingt man nicht gerade ein 70-200 hinein, bleibt noch Platz für eine weitere Linse oder einen Blitz. Im Raum unter den Griffen der Bodies lassen sich beispielsweise Ladegeräte und Reinigungsutensilien verstauen.

Abb. 2: Das Zusatzfach erweist sich als perfekt für mein Tablet

Der zusätzliche Stauraum an der Vorderseite der Tasche ist quasi wirklich nur ein aufgenähtes Fach, das nicht durch großes Volumen glänzt. Für Smartphone und Schlüssel reicht es. In meinem Fall wird es wohl des öfteren mein kleines Grafiktablet (Wacom CTL-471) beherbergen. Im Hauptfach ist dafür, wenn mit zwei Gehäusen und Notebook bepackt, kein Platz mehr.

Auch das Äußere zählt

Abb. 3: Der flexible Deckel lässt sich wunderbar leicht umschlagen

Bei meiner Taschensuche blieb ich immer wieder bei Exemplaren hängen, die über einen Top-Zugriff via Reißverschluss verfügen. Den hat die Lowepro ProTactic MG 160 AW II nicht. Ich war mir unsicher, ob mich das stören würde. Meine Sorge war unbegründet. Der Stoff-Deckel ist derart dünn, dass er wirklich schnell und bequem zum Körper hin umgeschlagen werden kann, ohne dabei im Weg zu sein. Die nötige Sicherheit für das Equipment bietet das, beim Öffnen vom Körper weg klappende, vorgeformte Kunststoffelement.

Im Boden der Tasche verbirgt sich die Regenhaube. Auf der Außenseite sind zwei Gurte fest vernäht, an denen man ein Stativ festzurren kann. Das macht den Boden uneben und lässt die Tasche nicht so sicher stehen, wie sie es mit vier kleinen Plastikfüßen in den Ecken könnte. Diese wären für meinen Anwendungsfall – ich werde überwiegend ohne Stativ unterwegs sein – wünschenswert gewesen. Zudem erhöhten Füße die Lebensdauer der Gurtspanner vermutlich signifikant.

Ich besitze eine weitere Tasche, die kein Netz oder dergleichen an der Außenseite hat. Es ärgert mich immer wieder, den wertvollen Platz im Innenraum für das Mitführen von Getränken “verschenken” zu müssen. Daher sehe ich die Möglichkeit der Außenanbringung inzwischen als unverzichtbar an. Eine 0,5-Liter-PET-Flasche sitzt, bei voller Beladung, allerdings schon recht stramm. Das Außenfach ist kein flexibles Netz. Je größer der Umfang des mitgeführten Trinkgefäßes, desto weniger Raum bleibt im Inneren – eine semi-optimale Lösung.

Ich bin gerne mit dem Fahrrad unterwegs und mag es auch sonst nicht, wenn die Tasche beim Fotografieren plötzlich um den Körper herumschwingt und mir die Kamera verreißt. Den stabilisierenden Quergurt erachte ich insofern als gute Ergänzung. Bei den ersten Ausflügen ertappte ich mich erstaunlich häufig dabei, die Tasche auf den Rücken zu schnallen, wo sie nahezu immobil und dadurch ihr Gewicht (bei mir bis dato, in Ausnahmefällen, bis zu sechs Kilogramm) weniger zu spüren ist.

Abb. 4: Die unebene Bodenpartie

Noch zwei Anmerkungen zum Gurt:

1. Gurtlänge
Abb. 5: Für mich ist die Gurtlänge optimal

Üblicherweise trage ich Taschen auf Hüfthöhe, so dass ich jederzeit bequem Zugriff auf mein Equipment habe. Diagonal getragen, nicht einseitig – typisch Messenger-Bag. Stelle ich die maximale Länge des Gurtes ein, funktioniert das mit der Lowepro ProTactic MG 160 AW II gerade eben.

Dieser Umstand ist der alternativen Tragemethode geschuldet, die sich durch den Quergurt ergibt. Schnalle ich mir die Tasche auf den Rücken, um – stabilisiert mittels Quergurt – bequem Fahrrad zu fahren, muss ich den Gurt von maximaler Länge beinahe auf kürzeste Länge umstellen.

Für mich, den durchschnittlichen Mitteleuropäer mit 1,80m Körperlänge, funktioniert das wunderbar. Ist jemand bedeutend kleiner oder größer als ich, könnte der Gurt womöglich zu lang oder zu kurz sein.

2. Gurtbefestigung an der Tasche
Abb. 6: Das große Manko sind die Gurtbefestigungen

An dieser Stelle ein Lob an den Lowepro-Service, der mir kostenlos ein neues 2er-Set zukommen ließ.

Die Lowepro ProTactic MG 160 AW II bietet zwei Optionen, den Gurt an der Tasche zu befestigen. Je nach Trageart – einseitig oder quer – ist die eine oder andere Variante sinnvoll. Warum man hier nicht auf die altbewährte Kombination aus D-Ringen und Karabinern gesetzt hat, kann ich nicht nachvollziehen. Stattdessen kommt dasselbe System zum Tragen, das an den Rucksäcken die Stative sichern soll.

Wer die Rucksäcke der ProTactic-Linie kennt, ist mit den kleinen Zurrgurten vertraut, die der Stativbefestigung dienen. An einigen Stellen im Internet finden sich Aussgen, deren Verschlüsse könnten sich, wenn unglücklich Druck auf sie ausgeübt wird, öffnen. Das ist keine blanke Theorie, sondern mir selbst mehrfach passiert. Einmal einhergehend mit dem Verlust eines Zurrgurtes.

Nach meinen Erfahrungen mit der Stativbefestigung möchte ich dieser Lösung keinesfalls mein Equipment anvertrauen.

Auch der Quergurt ist mittels desselben Systems, in kleinerer Ausführung, an der ProTactic befestigt. Erkennbar in Abbildung vier. Der Einsatzort ist weit weniger kritisch. Öffnet sich der Gurt, würde dies wohl höchstens zu einer um den Körper herumschwingenden Tasche führen.

Fazit

Die Lowepro ProTactic MG 160 AW II findet bei mir eine neue Heimat. Für meine Bedürfnisse ist die Innenaufteilung der Tasche nahezu ideal. Quergurt und Getränkefach sind nützliche Features.

Von der ausbaufähigen Standfestigkeit abgesehen, ist die Gurtbefestigung das einzige echte Ärgernis. Ich werde das Design-Disaster, wie schon bei meinem Rucksack, durch hochwertige Metall-Karabiner ersetzen. Falls jemand von Lowepro mitlesen sollte: Bitte findet für zukünftige Produkte eine andere Lösung.

Taschen, die nicht sofort Kameratasche schreien, sind trumpf. Durch den Umstand, dass die Befestigung von weiterem Zubehör nur an den Seiten angedacht ist, finde ich die neue Lowepro-Tasche nicht zu auffällig. Zumindest nach einem schnellen Feintuning: Ich habe mir erlaubt, das Logo nachträglich zu schwärzen und den Aufnäher am Gurtpolster zu entfernen. Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt, bevor ein falscher Eindruck anhand meiner Fotos entsteht, da diese erst im Anschluss an diesen Eingriff entstanden sind.

Sollte ich in der Praxis mittel- oder langfristig neue Erkenntnisse gewinnen, werde ich diesen Beitrag entsprechend ergänzen.

Update

Die Tasche ist bei mir inzwischen rund ein Dreivierteljahr im Einsatz.

Kleine Ärgernisse im Alltag sind tatsächlich der unsichere Stand der Tasche sowie das Getränkefach. Verwende ich es, bleibt im Inneren regelmäßig so viel weniger Raum, dass ich bestimmte Objektive nicht mitführen kann. Allerdings lassen sich außen andere Lösungen befestigen, die das problemlose Mitnehmen von Wasserflasche oder Thermoskanne erlauben. In meinem Fall die Variante der ProTactic-Rucksäcke.

Bislang sieht die Messenger Bag aus wie am ersten Tag. Exakt das erwarte ich von einem eher hochpreisigen Qualitätsprodukt nach einem halben Jahr. Diese Erwartung konnten in der Vergangenheit jedoch nicht alle Produkte von Lowepro erfüllen, deshalb sei es an dieser Stelle positiv erwähnt.

Ich bin zumeist ohne Stativ unterwegs. Doch zwischenzeitlich habe ich die Befestigung ausprobieren können. Mein kleines Reisestativ ließ sich erwartungsgemäß gut festzurren, so dass es nicht hin und her wackelte und, auf den Rücken geschnallt, auf die Wirbelsäule hätte schlagen können. Natürlich kann man die Tasche mit angebrachtem Stativ nicht mehr ordentlich abstellen, aber irgendeinen Tod muss man sterben. Es erfüllt den Zweck.

Das trifft auf die Lowepro ProTactic MG 160 AW II insgesamt zu. Deshalb wird sie bei mir weiter im Einsatz bleiben.