Im Jahr 2020 beherrscht die Corona-Pandemie unsere Nachrichten. Zurzeit steht die Wahl des US-Präsidenten vor der Tür. Donald Trump, amtierender US-Präsident, weilte, da mit COVID-19 infiziert, kürzlich im Krankenhaus. Anfang 2018 dominierte hierzulande ein anderes Thema die Presse.

Im Januar 2018 stiegen die Pegel bedenklich an. Der Rhein, als unser größter Fluss, war überwiegend Gegenstand der nationalen Berichterstattung.

Als jemand, der in Lünen an der Lippe, nördlich angrenzend an Dortmund, aufgewachsen ist, kenne ich Hochwasser eher aus den Nachrichten. Ich erinnere mich, einmal erlebt zu haben, wie auch der Pegel der Lippe mehr als üblich anstieg. Eine Ausnahme und, in Anbetracht der Größe des Flusses, bei weitem nicht so imposant, wie Hochwasser am Rhein mit eigenen Augen zu sehen.

Bis 2018 pendelte ich zwischen Dortmund und Koblenz.

Vor der geplanten Reise im Januar besagten Jahres prüfte ich turnusmäßig via Internet den Pegelstand des Rheins. Es war nicht ganz klar, ob das Hochwasser seinen Höhepunkt bereits erreicht hatte oder noch weiter ansteigen und meine Reise somit unmöglich machen würde. Eine Sperrung der Bahnstrecke stand im Raum. Wenige Tage vor meinem Aufbruch sank der Pegel erstmals.

Bereits die Bahnfahrt am Rhein entlang bot immer wieder spektakuläre Bilder von unter Wasser stehenden Landstrichen. Damals hielten mich die schmutzigen Scheiben der Bahn vom Festhalten meiner Eindrücke ab. Heute würde ich wohl die Aufnahmen machen um zumindest die Option zu haben, mich im Nachhinein für oder gegen eine Veröffentlichung entscheiden zu können.

In Koblenz angekommen, entschied ich mich für einen Spaziergang entlang des Rheins. Von meinem Startpunkt aus waren es etwa fünf Minuten fußläufig zum Rheinufer, und von dort aus rund zwei Kilometer bis zum Deutschen Eck, wo die Mosel in den Rhein mündet.

Hochwasser am Rheinufer in Koblenz

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Du siehst, nicht einmal eine Stufe fehlt zur Überschwemmung des Platzes. Vielleicht zwanzig Zentimeter. Der Pegel ist um fast einen Meter gesunken. An einigen Fassaden ist der Höchststand von vor einigen Tagen noch als dunkle Farbabstufung erkennbar. Ich kann nur erahnen, wie viele Keller das Wasser noch kurz zuvor geflutet haben muss.

Betrachte ich diese 2018 entstandenen Hochwasser-Aufnahmen heute, wird mir noch einmal deutlich bewusster, wie klein wir Menschen doch sind. Dennoch verändern wir die Erde derart massiv, dass unser Öko-System nachhaltig gestört ist. Wie sehr uns die Auswirkungen unseres Handelns bald überrollen werden, zeigen unter anderem die Feuer im Westen der USA. Diese scheinen weit entfernt, doch wir sind global vernetzt. Corona verdeutlicht letztendlich, wie wir einen regionalen Krankheitsausbruch innerhalb kürzester Zeit über den ganzen Planeten verteilen. Wir sollten auf Alarmsignale wie das Hochwasser am Rhein reagieren.

Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Als Mensch, und als Fotograf. Welchen individuellen Beitrag können wir leisten?

In jedem Fall möchte ich dich dazu aufrufen, in Situationen, in denen du noch überlegst auszulösen, wirklich ein Foto zu machen. Lasse dir nicht, wie ich es getan habe, wegen vermeintlich schlechter Bedingungen, eine Gelegenheit entgehen. Ob und mit welcher Intention du deine Fotos anschließend veröffentlichst, liegt ganz bei dir. Vielleicht taugt es ja sogar dafür, zu beweisen, dass der Klimawandel keine Illusion ist, wie der eingangs erwähnte US-Präsident behauptet.

Sei nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. In Zeiten von Self-Publishing und Hashtags ist das einfacher denn je.