Am 5. Mai weilte ich auf einem ehemaligen Fußballplatz im Münsterland und begleitete die Freiluft-Vereinsmeisterschaft des ortsansässigen Bogensportvereins.

Ein Parkplatz vor dem Eingang des Freibades und ein Gebäude der DLRG. Daneben eine große Baustelle. Auf den ersten Blick sah ich die rote Asche des Fußballplatzes nicht, erst nach dem Umlaufen des in der Entstehung befindlichen Skateparks wurde der Ort des Geschehens sichtbar.

Der BSC Dülmen hatte bis zu diesem Jahr an anderer Stelle die Freiluftsaison begangen. Inzwischen leistet sich der Verein den Luxus eines eigenen Schießplatzes, den man vom örtlichen Fußballverein übernehmen konnte, da dieser neuerdings über einen Rasenplatz verfügt. Ein paar Kleinigkeiten wie Sanitäranlagen und Lagerflächen fehlen noch, aber das Nötigste ist bereits vorhanden: Eine gepflasterte Schießlinie, Zielscheiben und ein mehrere Meter hoher Erdwall dahinter, damit keine Pfeile bis ins Schwimmbad fliegen.

Begrüßung der Teilnehmer und Zuschauer
Begrüßung der Teilnehmer und Zuschauer

Um 14:00 Uhr sollte die Einweisung in das Prozedere der Vereinsmeisterschaft beginnen, danach die ersten Probeschüsse abgegeben werden und um 14:30 Uhr der Wettbewerb starten. Veranstaltungen laufen höchst selten exakt nach Zeitplan, auch dieses Turnier bildete keine Ausnahme. Mit wenigen Minuten Verspätung begrüßte der 1. Vorsitzende Karl-Heinz Schrief die Anwesenden. Insgesamt fanden sich rund 15 Schützen ein.

Da die Schützen über verschiedenste Entfernungen schossen, die sie vorab selbst wählen durften, fehlte es an Konkurrenz. Vielfach war vorprogrammiert, wer in seiner Geschlechts- und Altersklasse den ersten Platz bei der gewählten Distanz erreichen würde. Aus sportlicher Sicht etwas schade, zumal der Verein über circa 140 Mitglieder verfügt. Die Entfernungen, über die geschossen wurden, variierten zwischen 10m und 60m. Auch das Sportgerät war nicht immer dasselbe. Die meisten schossen mit Recurve-Bögen, bis auf zwei, die mit dem Blankbogen unterwegs waren und eine junge Dame: Renate – ihres Zeichens amtierende Deutsche Indoor-Meisterin mit dem Compoundbogen in der Ü60-Klasse.

Schema eines Compoundbogens
Schema eines Compoundbogens

Visier eines Compoundbogens
Visier eines Compoundbogens

Blick zum 50m entfernten Ziel
Blick zum 50m entfernten Ziel

Für mich war es trotzdem eine Herausforderung. Brüllende Hitze, die Sonne hoch am Himmel. Keine guten fotografischen Bedingungen. Darüber hinaus galt mein Besuch im Münsterland nicht exklusiv dem Fotografieren, weshalb ich nur eine Normalbrennweite im Gepäck hatte. Ich musste also relativ nah ans Geschehen und wusste nicht, wie die Schützen auf meine Nähe und das Klicken der Kamera reagieren würden. Schließlich befanden sie sich zumeist mitten in der Konzentrationsphase und ich lief Gefahr, sie aus diesem “Tunnel” herauszureißen.

Meine Sorge war letztendlich unbegründet, wenn mir auch zugetragen wurde, dass einige Schützen mich durchaus beim “Anpirschen” wahrgenommen hatten. Zwar stehen diese üblicherweise an der Schießlinie sehr dicht gedrängt, sind Abstände von wenigen Zentimetern gewohnt, doch als Fotograf bewegte ich mich natürlich ganz anders. Mir spielte die geringe Teilnehmerzahl in die Karten, die für entspannte Stimmung auf ganzer Linie sorgte.

Schattenspiele bei praller Sonne - Pfeil auflegen
Schattenspiele bei praller Sonne – Pfeil auflegen

Schattenspiele bei praller Sonne - Ankern
Schattenspiele bei praller Sonne – “Ankern”

Schattenspiele bei praller Sonne - Lösen
Schattenspiele bei praller Sonne – “Lösen”

Für mich war es eine wertvolle Erfahrung, zumal ich ansonsten kaum im klassischen Sportsegment unterwegs bin. Vom Verein selbst kamen durchweg positive Rückmeldungen. Eine Win-Win-Situation.

Beeindruckt hat mich Renate, die mit ihrem Compoundbogen auf 50m schoss und jedes Mal unglücklich wirkte, wenn ich im Begriff war ein Foto von ihren Pfeilen in der Scheibe zu machen, insofern einer davon nur in der Sieben steckte. Hervorgehoben werden muss, dass sie auf eine viel kleinere Zielauflage schoss als die anderen Teilnehmer, die auf dieselbe Distanz schossen. Renate hatte im Wettbewerb keinen Gegner, aber legte eine Akribie an den Tag, als ginge es um die Deutsche Meisterschaft. Ich hoffe, ich werde in ihrem Alter noch so fit sein und mit einem solchen Ehrgeiz mein Ziel – welches auch immer es sein möge – verfolgen.

Renate an der Schießlinie
Renate an der Schießlinie

Anerkennende Geste
Anerkennende Geste von Ehemann Reinhard, der ebenfalls erfolgreich an Meisterschaften teilnimmt

Auf 50m alles in die Acht oder besser
Auf 50m alles in die Acht oder besser

Ich lege jedem Leser, der aus der Nähe von Dülmen stammt und am Bogenschießen interessiert ist, nahe, einen der Schnupperkurse des BSC Dülmen zu besuchen. Einen solchen habe ich bereits absolviert und kann die Art und Weise, wie unter fachkundiger Anleitung ans Thema herangeführt wurde, nur loben.

Vielen Dank an alle Beteiligten und insbesondere Renate für diese Inspiration – und den leckeren Kuchen!

Nach 12 Passen à 6 Pfeilen wurde zusammengerechnet
Nach 12 Passen à 6 Pfeilen wurde zusammengerechnet

...und noch lecker gegrillt
…und gegrillt

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